Ischt der Sindfluß g´wößen!
700 Jahre Naturkatastrophen im Ötztal.

Gletschereissee des Vernagtferners hinter Rofen im Ventertal anno 1601.
Über die Naturkatastrophen im Ötztal habe ich einen großformatigen
Prachtband in Leder und Schuber herausgebracht, und dieser wurde am 10. August 2001 in
Längenfeld anlässlich der Längenfelder Filmtage zum ersten Mal vorgestellt.
Dieses Werk ist in einer Auflage von nur 20 Stück im Eigenverlag produziert
worden.
Fernereisseeausbrüche, Muren, Überschwemmungen, Lawinen und andere
Naturkatastrophen im Ötztal, habe ich chronologisch vom Jahre 1288 bis ins Jahr
2000 zusammengetragen. An die 450 Ereignisse sind so dokumentiert worden. Auch alle
Namen der Todesopfer, die bei Naturkatastrophen im Ötztal umgekommen sind, habe ich aus den
Totenbüchern ausgeforscht.
Als Basis zu diesem Werk ist ein handgeschriebenes Buch aus dem Jahre 1762, des Dorfschreibers und Wundarztes von Längenfeld, Franz Stippler. Das Buch habe ich zuerst transkribiert und anschließend in die heutige Sprache übersetzt. Beim Regergieren zu diesem Buch sind viele neue Daten zum Vorschein gekommen, die bis dato von der Fachliteratur noch nicht erforscht waren. Vor allem die Informationen aus den Raitbüchern zwischen 1286 bis 1339 (Rechnungsbücher)des Meinhard II. und seiner Söhne Otto und Heinrich König von Böhmen, waren eine tolle Fundgrube über Ereignisse zu jener Zeit.
So auch eine Hochwasserkatastrophe im Jahre 1316, wo 21 Höfen im Ötztal 1/3 Teil von Zins und Steuern erlassen wurde.
Urkunde von König Heinrich von Böhmen, 1317.

Wir Heinrich
etc., bekennen offen mit dieser Urkunde, daß wir auf Bitten unserer Getreuen
Heinrich Hirschberg, Konrad Kärlinger und
Heinrich Bozner, Richter auf Burg St. Petersberg, die von uns mit dieser
Angelegenheit betraut worden sind, unseren Zinsbauern im Ötztal, in Umhausen,
in Östen, in Längenfeld, Dorf und unserem Gut in Hueben den dritten Teil aller
unserer Zinsen und Steuern für die kommenden 5 Jahre wegen der Wasserschäden
und Überschwemmungen, durch die ihre Güter an Äckern und Feldern zerstört
und verwüstet worden sind, nachgelassen haben. Wir befehlen daher unserem
Richter in St. Petersberg, der jetzt ist oder der dann sein wird, daß er
unseren erwähnten Zinsbauern den dritten Teil von Zins und Steuern, wie es oben
geschrieben ist, die erwähnten 5 Jahre hindurch nachläßt. Geschehen, Tirol,
anno 1317 am 1. Juli.
Dies sind die Höfe
im Ötztal, die durch Überschwemmungen zerstört wurden, denen der König den
dritten Teil Zinsen und Steuern erlassen hat. Erster Hof, in Niederhueben, zahlt
300 Käse, 2 Pferde, 12 Ellen graues Tuch, 2 Schafe, an Steuern 9 Pfund Perner.
Ebenso 2 Höfe in Längenfeld, zahlen 2 Pferde und an Steuern 35 Pfund und 4
Schafe. Ferner Nikolaus zu Dorf, 1 Pferd, 2 Schafe und an Steuern 20 Pfund.
Ebenso der Märkenhof, 300 Käse, 2 Pferd, 12 Ellen graues Tuch, 2 Schafe und an
Steuern 4 Pfund. Ebenso Christan, ebendort, so viel wie der vorhergehende und an
Steuern 4 Pfund. Ebenso der Hof Porst, so viel wie der Hof von Christan. Ferner der Hof
Rudgeri, 350 Käse, 1 Schaf und an
Steuern 4 Pfund, 2 Pferde. Ebenso Jakob von Moos, 8 Pferde und an Steuern 21
Pfund. Ebenso der Sennhof in Niederthai, liegt bei Umhausen, 1 Pferd, 2 Schafe,
an Steuern 17 Pfund. Ebenso in Viechtai, 2 kleine Höfe, 1 Schaf, an Steuern 8
Pfund. Ferner ebendort in Umhausen der Salzburger jetzt genannt Praeustel, 2
Schafe, an Steuern 17 Pfund, 1 Pferd. Ferner Jakob der Ausrufer, an Steuern 6
Pfund, 1 Schaf und selbdritter 1 Pferd. (zu dritt 1 Pferd) Ferner Adelheid, Kämmerers
Schwester, 4 Schafe, an Steuern 22 Pfund, 1 Pferd. Ferner der Kämmerer selbst
und seines Bruders Sohn, an Steuern 21 Pfund, 1 Pferd. Ebenso vom Hof Gebnon an
Steuern 30 Schilling. Ferner 2 Höfe in Östen, 2 Pferde, 4 Schafe, an Steuern
33 Pfund. Ganze Summe in Perner, 23 Mark, 5 Pfund, 30 Schafe, 1550 Käse, 28
Pferde, 48 Ellen graues Tuch, und von diesem werden als der dritte Teil jedes
Jahr 7 Mark, 8 Pfund, 4 Kreuzer, 10 Schafe, 517 Käse, 9 Pferde, 16 Ellen graues
Tuch, abgezogen.
Geschehen, im
Jahre des Herrn 1317 am 1. Juli auf Schloß Tirol.
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Hochwasserkatastrophe in der Neuzeit, 1987:
Aschbach